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 Nabu-Vorsitzender Peter Lorenz warnt vor Mährobotern und mehr „Igel zum Aussterben verdammt“

Mit freundlicher Empfehlung der HNA-Kassel:

Junge Igel sind bald wieder in vielen Gärten unterwegs. Nabu-Vorsitzender Peter Lorenz erklärt im Interview, warum gerade Mähroboter gefährlich sind.

 

 

Ab Ende August ist es wieder soweit – junge Igel werden von der Muttermilch entwöhnt, durch die sie nach der Geburt ernährt werden. Dann machen sie sich erstmals ohne ihre Eltern auf die Suche nach Futter. Dabei landen sie oftmals in Gärten, wo sie unter anderem durch Mähroboter verletzt oder getötet werden. 

 

Erst mal unterstelle ich keinem Gartenbesitzer, dass er wissentlich einem Tier schaden möchte. Aber sobald ein Mähroboter mit einem Igel kollidiert, kann er ihm ein Bein amputieren oder das Gesicht zerschneiden. Das gilt auch für Mähroboter, die Igelschutzvorrichtungen versprechen. Die Hersteller werben nämlich damit, aber die Geräte haben nur Kollisionssensoren. Ich habe es selbst mit fünf bis acht Zentimer großen Äpfeln getestet – so groß sind junge Igel. Der Roboter ist problemlos drüber gefahren. Wenn ich mir die Schnitte an den Äpfeln ansehe, möchte ich mir gar nicht vorstellen, wie Igel so geschreddert werden. Leider lassen sich jedoch viele von der Werbung beeinflussen.

 

Sollen Gartenbesitzer also auf Mähroboter verzichten?

Nein. Aber es gibt einen ganz einfachen Grundsatz, den Gartenbesitzer beherzigen sollten: Niemals sollte in der Zeit von der Abenddämmerung bis zum Morgengrauen ein Mähroboter eingesetzt werden. Denn Igel sind vor allem nachts aktiv. Wenn man diese Zeit vermeidet, hilft das schon in über 90 Prozent der Fälle. Diese ganze Katastrophe für die Tiere und ihr Leid treten nur deshalb ein, weil Menschen meinen, dass der Rasen morgens, wenn sie aufstehen, nur fünf statt sieben Zentimeter kurz sein Muss.

 

Das Problem mit den Mährobotern ist ja nicht neu. Warum nutzen weiterhin viele diese Geräte?

Das ganze Thema kommt bei vielen leider noch nicht so richtig an. Das liegt daran, dass viele Tiere gar nicht gefunden werden. Sie irren entweder orientierungslos umher, nachdem sie von einem Mähroboter schwer verletzt worden sind, oder sie verstecken sich und verenden dort. Andere Gartenbesitzer beruhigt das Scheinargument, dass die Roboter einen Igelschutz haben. Da folgen zu viele leichtgläubig der Werbung.

 

Sind Mähroboter die einzige Gefahr für Igel im Garten?

Nein, die Gefahr geht auch von Laubsaugern oder Motorsensen aus, mit denen Gras unter Hecken und Büschen entfernt wird. Das sind Stellen, in denen die Tiere ihren Schlafplatz tagsüber haben. Laubsauger können die Tiere aufsaugen und dadurch verletzten oder töten. Deshalb sollten Laubsauger und Motorsensen nur unter kontrollierten Bedingungen benutzt werden. Das heißt, dass Büsche oder Hecken vorher kontrolliert werden, denn das sind die Lebensräume des Igels. Das Problem bei den Tieren – instinktiv rollen sie sich zusammen, wenn sie in Gefahr sind. Das ist bei den Gartengeräten, aber auch im Straßenverkehr kontraproduktiv.

 

Gibt es einen Zeitraum, in dem Gartenbesitzer bedenkenlos Gartengeräte nutzen können?

Das gilt nur in der Zeit, in der die Igel im Winterschlaf sind, in denen die Geräte weniger relevant sind. Deshalb ist das in der ganzen Vegetationsperiode ein Problem. Aber auch hier gilt – so wie Menschen im Straßenverkehr versuchen, Unfälle zu vermeiden, können sie Rücksicht auf Igel in den Gärten nehmen.

 

Welche anderen Tierarten sind durch die Gartengeräte gefährdet?

Es können andere Tiere wie Kaninchen oder Eichhörnchen betroffen sein. Am eklatantesten ist es jedoch bei den Igeln, weil sie nur eingeschränkte Fluchtmöglichkeiten haben. Es hat sich bei den Igeln evolutionär ergeben, dass sie sich bei Gefahr zusammenrollen. Das hat ihnen jahrhundertelang genutzt. Bei diesen Geräten und im Straßenverkehr ist das nicht so.

 

Wie können Gartenbesitzer dem Igel am besten helfen?

Sie können den Tieren helfen, indem sie naturnahe Ecken im Garten belassen. Es muss nicht überall Golfrasen sein. Auch unter Büschen überall Laub wegzusaugen, ist nicht hilfreich. Dann kommen automatisch auch Käfer und Würmer in den Garten, die den Igeln als Nahrung dienen. Auch runtergefallene Äpfel muss man nicht gleich wegräumen. Der Igel isst diesen nicht, aber im Obst ist Nahrung in Form von Maden oder Würmer. Das heißt nicht, dass im Garten Unordnung herrschen soll. Aber kleine Stückchen und Flecken der Natur zu überlassen, würde den Tieren helfen.

 

Sie haben bisher die Gartenbesitzer angesprochen. Wie können Kommunen dem Igel helfen?

Da gilt das Gleiche wie im Garten. Man muss nicht jedes letzte Laub absaugen. Gerade die riesigen Laubsauger sind eine Gefahr für die Igel. Etwas mehr naturnahe Gestaltung würde den Tieren in den Kommunen.

 

Wie ist die allgemeine Situation der Igel in Deutschland?

Dem Igel geht es katastrophal. Wenn es so weitergeht, sind die Igel zum Aussterben verdammt. Ich habe mich mit vielen Igelstationen unterhalten. Wie viele Tiere unterernährt zu ihnen kommen, ist furchtbar. Sie finden nicht genug Nahrung. Dazu kommen noch Todesopfer durch Verkehr und Gartengeräte. Deshalb sind sie auf der Liste der bedrohten Tierarten. Die Menschheit geht mit der Erde um, als ob wir noch eine zweite oder dritte in der Schublade haben. 

 

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